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42 stimmten dänische Nationalisten und holsteinische Regionalisten darin überein, dass Holstein so deutsch war, dass es innerhalb des Gesamtstaates nichts verloren habe. Aber war das wirklich der Fall? Es ist immer angebracht, wachsam gegenüber historischen Deutungen zu sein. Das Ende des Gesamtstaates bedeutete nicht, dass er bereits von Anbeginn zum Tode verurteilt war. Seine Bewohner wussten nicht, dass es böse enden würde. Nur wenige wünschten sich, dass der Staat und die Sicherheit, darin zu leben, verschwinden sollten. Wenn es sich in Nationalstaaten um eindeutige Kategorien wie Dänisch und Deutsch dreht, handelt es sich um einen Rückbezug auf etwas, dass sich vorher nicht klar definieren ließ. Wieder ist hier das Regionale wichtig, um zu verstehen, dass es sich um fließende Übergänge handelte. Die Holsteiner waren mehr Deutsche als Schleswiger, aber sie unterschieden sich von ihren Nachbarn südlich der Elbe. Die Gesamtstaatspolitik schuf die Voraussetzungen dafür, dass Hol- stein am Ende des 18. Jahrhunderts als einer der fortschrittlichsten Teile des deutschen Reiches galt. Irritiert stellten deutsch orientierte holsteinische Regionalisten in den 1840er Jahren fest, dass ihre Landsmänner sich südlich der Elbe fremd fühlten. Noch schlimmer aber war, dass Abb. 2  Denkmal zur Erinnerung der Erhebung Schleswig-Holsteins 1848, Ernst Barlach, Fotografie: Julius Bremer, Altonaer Museum, Inv.-Nr. AB10077-846

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