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Eine Karte

Voller SeeMOnsteR

Auch wer nicht lesen kann, erkennt diese Insel mit einem feuer-

spuckenden Vulkan und Eisschollen, auf denen Eisbären herum­

turnen. Natürlich Island! Die Karte wurde 1590 in Antwerpen

schwarz-weiß gedruckt, von Hand ausgemalt und mit vielen ande-

ren Karten zu einem Buch zusammengebunden. Wer es sich leisten

konnte, kaufte sich so einen Atlas, den es auf Deutsch, Niederlän-

disch, Französisch, Spanisch, Englisch und natürlich auch auf

Latein gab. Das war die Sprache, die alle Gebildeten verstanden.

Besonders spannend sind die Seemonster, die um die Insel herum

gegen den Uhrzeigersinn von A (oben rechts) bis Q (wieder oben

rechts) beschriftet sind. Zu A steht auf der Rückseite der Karte:

»Ein Fisch mit Namen Narwal. Wer davon isst, stirbt augenblick-

lich. Aus seinem Kopf ragt ein Zahn heraus, bis zu fünf Meter weit.

Manche halten das Tier wegen dieses Zahns für ein Einhorn und

glauben, das Horn sei ein Gegenmittel bei Vergiftungen.« Der Kar-

tenmacher AbrahamOrtelius wusste das aus einem Buch, das der

schwedische Gelehrte Olaus Magnus 1555 geschrieben hatte.

Zu H heißt es: »Der größte Wal, der sich nicht oft zeigt, gleicht

mehr einer Insel als einem Fisch. Wegen seiner Größe fällt es ihm

schwer, kleinere Fische zu jagen, trotzdem fängt er sie mit Hilfe

von Tricks«. L ist der netteste aller Wale, »denn er bekämpft für

die Fischer andere Wale. Darum ist es gesetzlich verboten, ihm

etwas zuleide zu tun. Er ist um die 70 Meter lang.« M, der Staukul

oder Springhual, steht den ganzen Tag auf seinem Schwanz. Er soll

springen können, ist gefährlich für Schiffe und frisst am liebsten

Menschenfleisch. N ist der Rostunger oder Rosmarus. Er kriecht

auf vier kurzen Füßchen auf dem Meeresboden. Sein Versteck ist

unzerstörbar. Zum Schlaf hängt er sich mit den beiden Zähnen für

zwölf Stunden an eine Klippe. Die Zähne sind fast einen Meter

lang, der ganze Fisch zehn Meter.

Abraham Ortelius, Island, 1590 (Cartographica Neerlandica Bilthoven)