Leseprobe

1818 CASPAR DAVID FRIEDRICH mit C roline in Greifsw ld SANDSTEIN VERLAG Il ustriert von Maiken Albert

1818: NAPOLEON IST MITTLERWEILE AUF DIE INSEL ST. HELENA VERBANNT UND ALLMÄHLICH KEHRT IM GEPLAGTEN EUROPA WIEDER RUHE EIN. NACH LEIDVOLLEN KRIEGSJAHREN UND DEM »JAHR OHNE SOMMER« MIT MINUSGRADEN UND MISSERNTEN, VERURSACHT DURCH EINEN VULKANAUSBRUCH, KÖNNEN SICH MENSCH UND TIER ERHOLEN. ES GIBT WIEDER RAUM FÜR REISEN, NEUE PLÄNE UND IDEEN. →KARL MARX WIRD IN TRIER GEBOREN. →MARY SHELLEY VERÖFFENTLICHT IHREN ROMAN »FRANKENSTEIN«. →NAPOLEON BONAPARTE SCHREIBT IM EXIL SEINE MEMOIREN. →KARL DRAIS MELDET DAS PATENT FÜR DIE DRAISINE AN, VORLÄUFER DES FAHRRADES. →AUF DEM HEUTIGEN BERLINER KREUZBERG LEGT DER PREUSSISCHE KÖNIG DEN GRUND- STEIN DES NATIONALDENKMALS FÜR DIE BEFREIUNGSKRIEGE, ENTWORFEN VON KARL FRIEDRICH SCHINKEL.

43 JAHRE, IN GREIFSWALD GEBOREN 24 JAHRE, IN DRESDEN GEBOREN AUCH DAS LEBEN DES MALERS CASPAR DAVID FRIEDRICH NIMMT EINE NEUE WENDUNG. AM 21. JANUAR TRITT ER NACH DER FRÜHMESSE UM 6 UHR MORGENS VOR DEN ALTAR DER DRESDNER KREUZKIRCHE UND HEIRATET CAROLINE BOMMER: GANZ IM STILLEN, OHNE GROSSE FEIER UND IM GUTEN SONNTAGSKLEID, WIE ES ZU DIESER ZEIT ÜBLICH IST.

Es ist doch ein schnurrig Ding wenn NEUES GESCHIRR LOTTERBETT AN SEINEM ACHTEN TAG ALS EHEMANN SCHILDERT FRIEDRICH SEINEN BRÜDERN, VERWANDTEN UND BEKANNTEN IN GREIFSWALD, WIE SEIN JUNGGESELLENHAUSHALT AUF DEN KOPF GESTELLT WIRD. DA DER MALER MITTLERWEILE EIN KLEINES JAHRESGEHALT VOM SÄCHSISCHEN KÖNIG BEZIEHT UND DAZU NOCH ZWEI BILDER VERKAUFT HAT, STEHT EINER LANGEN LISTE VON NEUANSCHAFFUNGEN NICHTS IM WEGE. man eine Frau hat... Auch ist es mir gar schnurrig daß alles was ich jetzt unternehme immer mit Rücksicht auf meine Frau geschiet und geschehen muß. Schlage ich nur einen Nagel in die Wand so darf er nicht so hoch sein als ich langen kann; sondern nur so hoch als meine Frau mit Bequemlichkeit langen kann. Kurz seit sich das Ich in Wir verwandelt ist gar manches anders geworden... Nöthig geworden sind:

HERD KAFFEEMÜHLE »Bitte nicht stören« FRIEDRICH FREUT SICH, DASS ES BEI IHM JETZT SAUBERER UND NETTER AUSSIEHT. NUR AN EINEM ORT BLEIBT ALLES BEIM ALTEN: IN SEINEM ARBEITSRAUM.

AM 13. JUNI BRECHEN DIE EHELEUTE AUF. UNTERWEGS WERDEN BEREITS DIE ERSTEN VERWANDTEN BESUCHT. IN WOLGAST LEBEN DER VATER UND EIN BRUDER DES VERSTORBENEN MALERKOLLEGEN PHILIPP OTTO RUNGE. AM KUTSCHFENSTER ZIEHT DIE POMMERSCHE LANDSCHAFT VORBEI: HOHER HIMMEL, ALTE EICHEN UND LEHMIGE WEGE.

DIE TÜRME GREIFSWALDS ERSCHEINEN. SEIT 1815 GEHÖRT DIE SEEHANDELSSTADT MIT IHREN FAST 8 000 EINWOHNERN NICHT MEHR ZU SCHWEDISCH-POMMERN, SONDERN IST TEIL DES KÖNIGREICHS PREUSSEN. ST. JACOBI ST. NIKOLAI ST. MARIEN KLOSTERRUINE ELDENA WIECKER KIRCHE

DIE FAMILIE EMPFÄNGT CAROLINE MIT OFFENEN ARMEN. DIE JUNGE FRAU GENIESST DIE GESELLSCHAFT IHRER SCHWÄGERINNEN, NICHTEN UND NEFFEN, AUCH WENN SIE BISHER NUR EINIGE BROCKEN PLATTDEUTSCH VERSTEHT. FRIEDERICKE ? CAROLINE ADOLF HEINRICH ELISABETH MARGARETE CAROLINE ? PRÄFKE CHRISTIAN HEINRICH DOROTHEA ?

ADOLPH KARL HEINRICH GUSTAV ADOLF FRIEDRICH, DER SONST DIE LANDSCHAFTSMALEREI VORZIEHT, HÄLT DIESES BESONDERE FAMILIENTREFFEN MIT BLEISTIFT, FEDER UND PINSEL FEST UND VERSAMMELT DIE DREI BRÜDER MIT IHREN FAMILIEN VOR SEINEM INNEREN AUGE AUF DEM MARKT SEINER GEBURTSSTADT. UM AUCH RATHAUS- UND DOMTURM BIS ZUR LETZTEN SPITZE AUF DAS BLATT ZU BEKOMMEN, SETZT ER OBEN NOCH EINEN STREIFEN DES TEUREN VELINPAPIERES AN. FIGUREN VON LINKS NACH RECHTS: → CAROLINE (GEN. LINA), NICHTE UND PATENKIND, 4 JAHRE → ADOLF HEINRICH, NEFFE, 1 JAHR → ELISABETH (GEN. LIESCHEN), SCHWÄGERIN, 22 JAHRE → MARGARETE (GEN. GRETE), SCHWÄGERIN, 45 JAHRE → CAROLINE?, EHEFRAU, 24/25 JAHRE → DOROTHEA? (GEN. DÖRTCHEN), NICHTE, 14 JAHRE → FRIEDERICKE? (GEN. FRIETZCHEN), NICHTE, 15 JAHRE → JOACHIM FRIEDRICH PRÄFKE, COUSIN VÄTERLICHERSEITS, 35 JAHRE → CHRISTIAN, BRUDER, 39 JAHRE → HEINRICH (GEN. HINNAR), BRUDER, 41 JAHRE → ADOLPH, BRUDER, 48 JAHRE → KARL, NEFFE, 9 JAHRE → HEINRICH, NEFFE UND PATENKIND, 6 JAHRE → GUSTAV ADOLF, NEFFE UND PATENKIND, 9 JAHRE DAS GROSSFORMATIGE AQUARELL VERBLEIBT BEIM BRUDER HEINRICH IM HAUS AM MARKT 10, AUS DESSEN BLICKWINKEL DAS BILD AUFGENOMMEN IST. 1809 HATTE ER DAS EHEMALIGE POSTGEBÄUDE GEKAUFT UND BETREIBT HIER SEINEN HANDEL MIT SEIFEN UND KERZEN.

ZUR ZEIT DES BESUCHES LEBEN DER VERWITWETE BRUDER HEINRICH UND SEIN KLEINER SOHN IN EINER WOHNGEMEINSCHAFT MIT DEM NEUBRANDENBURGER COUSIN PRÄFKE, DER ALS MEISTERHAFTER WITZE-ERZÄHLER UND WORTVERDREHER GILT. DER GESCHÄFTLICH ERFOLGREICHE HEINRICH UNTERSTÜTZT CASPAR ZEIT SEINES LEBENS, SEI ES MIT GELD, HERINGEN ODER EINEM WARMEN PELZ. ZUM DANK SENDET DIESER VON DRESDNER FREUNDEN GEMALTE BILDNISSE, SPÄTER AUCH EIGENE WERKE.

BIS AUF KURZE KARTENSPIEL- ODER ESSENSPAUSEN IST HEINRICH IMMER AUF DEN BEINEN. OFT ARBEITET ER BIS TIEF IN DIE NACHT UND SCHREIBT BESORGUNGSLISTEN FÜR DIE SEIFENHERSTELLUNG. Rindertalg unter Zusatz von Pottasche sieden, bis eine weiche Schmierseife entsteht für die festere Kernseife muss der Masse Natronsalz zugefügt werden für die Anzeige: Schmierseife für den Hausputz, Kernseife zur Reinigung von Kleidung, Geschirr und des eigenen Körpers

NACH EINEM LETZTEN BLICK ZURÜCK AUF DEN GREIFSWALDER HAFEN KUTSCHIERT DIE REISEGESELLSCHAFT AM 4. AUGUST AUF DIE BENACHBARTE HANSESTADT STRALSUND ZU. NEBEN GESCHÄFTLICHEN DINGEN ZIEHT ES FRIEDRICH MIT EINEM NEUEN SKIZZENBUCH AN DEN SUND UND EINMAL SOGAR AUF EIN WACHSCHIFF, UM DIE VORBEIZIEHENDEN SEGLER BEI AUFFRISCHENDEM WIND NOCH NÄHER BEOBACHTEN ZU KÖNNEN.

ALTEFÄHR AUF RÜGEN

AM 7. AUGUST SETZEN DIE VIER MIT DER RUDERFÄHRE NACH RÜGEN ÜBER. VON ALTEFÄHR GEHT ES IM WAGEN WEITER ZU DEN KREIDEFELSEN DER STUBBENKAMMER. UNGEWOHNT FÜR FRIEDRICH, DER SONST, UM DER NATUR GANZ NAH ZU SEIN, IMMER ZU FUSS AUF DER INSEL UNTERWEGS WAR.

ZUM ERSTEN MAL BLICKT SEINE FRAU ÜBER DIE UNENDLICHE WEITE DER OSTSEE. GEGEN DEN FRISCHEN SEEWIND IN EIN UMSCHLAGTUCH GEHÜLLT, HÄLT FRIEDRICH SIE AM STRAND VON RUSCHVITZ IN EINER ZEICHNUNG FEST.

CASPAR DAVID FRIEDRICH Die Originale »Greifswalder Marktplatz mit der Familie Friedrich« 1818, Bleistift, Feder, Pinsel

»Studien von Segelschiffen im Greifswalder Hafen« 17. August 1818, Bleistift »Segelstudien und Fischer« 12., 15. und 18. August 1818, Bleistift »In Bruder Adolphs Garten« 20. April 1818, Bleistift »Auf der Fahrt von Wiek nach Stralsund/Segelschiffstudien im Sund« 11. August 1818, Bleistift »Weibliche Rückengestalt am felsigen Ufer (Ruschvitz/Rügen)« 9. August 1818, Bleistift »Fischer am Ufer mit Fischfanggeräten« 18. August 1818, Bleistift

Alle , w s mich s berührt hat, s ll nun sie s hen. IM SOMMER 1818 MACHT SICH CASPAR DAVID FRIEDRICH MIT SEINER FRISCH ANGETRAUTEN FRAU CAROLINE AUF DEN WEG NACH MECKLENBURG UND POMMERN, WO EIN GROSSTEIL SEINER VERWANDTSCHAFT LEBT UND ARBEITET. MIT BLEISTIFT, FEDER UND PINSEL VERSAMMELT DER MALER UND ZEICHNER DIE DREI DORT LEBENDEN BRÜDER MIT IHREN FRAUEN UND KINDERN AUF DEM MARKT SEINER GEBURTSSTADT GREIFSWALD. DIE GRAPHIC NOVEL ÖFFNET EIN FENSTER IN DIE VERGANGENHEIT DER REGION UND ERZÄHLT DIE GESCHICHTEN HINTER DIESEM BESUCH. ZWISCHEN VER WINKELTEN WERKSTÄTTEN, KURIOSEN ZEITUNGSMELDUNGEN UND WINDIGEN INSELAUSFLÜGEN ERFÄHRT MAN INTERESSANTES UND NEUES ÜBER CASPAR DAVID FRIEDRICH UND SEINE FAMILIE STETS IN BEGLEITUNG DER WILDROMANTISCHEN LANDSCHAFT, DIE DEN KÜNSTLER SO GEPRÄGT HAT.

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