Leseprobe

Zum Geleit Wir freuen uns, Ihnen wieder mit ausgewählten Bildwerken aus dem reichen Bestand der wissenschaftlichen Sammlungen des Landesamtes für Denkmalpflege einen Einblick in unsere Schätze geben zu können. Ausgangspunkt unserer diesjährigen Jahresausstellung und des thematisch zugehörigen Kalenders ist der intensive Kulturaustausch zwischen Italien und Sachsen im 18. Jahrhundert, der im Begriff des »Elbflorenz« prägnanten Ausdruck findet. Bereits im Jahr 1737 beschrieb der englische Reisende Richard Pococke, Dresden mit seinen »hängenden Gärten« sähe aus »wie Florenz von Fiesoli«. Die Motive der Kalenderblätter spiegeln das breite Spektrum italienischen Einflusses und italienischer Präsenz in Dresden wider: Sie zeigen als Projekte höfischen Ursprungs zum einen die teils ausufernden Schlossentwürfe des Architekten Gaetano Chiaveri, die den erworbenen Rang der polnischen Königswürde in voller Pracht zum Ausdruck bringen sollten. Zum anderen die sakrale Architektur der Katholischen Hofkirche, die im Stil des römischen Hochbarocks errichtet an ihrer exponierten Stelle in Konkurrenz zur zeitgleich erbauten Frauenkirche trat. Die Vollendung des Kirchturms durch den kursächsischen Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze 1756 kann dabei als eine direkte Auseinandersetzung sowohl mit dem römischen Barock anhand der Erfahrungen Schwarzes als auch mit den Entwürfen Chiaveris gesehen werden. Die Rezeption des römischen Hochbarock sollte sich dabei auch im Inneren der Hofkirche fortsetzen, wie es die reich kolorierte Altarstudie aus der jesuitischen Kirche Sant’Ignazio in Rom verdeutlicht. August der Starke sandte seine Dresdner Baumeister auf Bildungsreisen nach Italien und vor allem Rom, wie 1710 den Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann oder 1729 den Oberbauamtskondukteur Julius Heinrich Schwarze. Das kürzlich restaurierte großformatige Panorama Roms aus dem Jahr 1765 vermittelt einen Eindruck davon, wie die Geburtsstadt des Barock zur damaligen Zeit aussah, mit ihren großen Palazzi römischer Adelsfamilien, zahlreichen Kuppelkirchen, der Basilika Sankt Peter im Vatikan und der Engelsburg. Römische Einflüsse prägten die höfische Architektur in Sachsen seitdem, beispielhaft illustriert durch Entwürfe Matthäus Daniel Pöppelmanns zum Zwinger und zu anderen Dresdner Festbauten aus der Zeit um 1720. Das Interesse, insbesondere Schwarzes, an den aktuellen römischen Bauten und Entwürfen geht zudem aus Skizzen und Plankopien hervor, die der Baumeister während eines Studienaufenthalts in der Ewigen Stadt nach 1733 anfertigte. Hinzu kommen Arbeiten italienischer Künstler in Dresden, seien es die Fresken und Bilder des Bologneser Malers Stefano Torelli und des Venezianers Giovanni Antonio Pellegrini oder die Skulpturen des Bildhauers Lorenzo Mattielli für die Balustrade der Hofkirche und den Neptunbrunnen sowie die Marmorskulpturen des Bildhauers Pietro Balestra. Darüber hinaus stellen die Theaterbauten der Gesellschaften italienischer Opernsänger um Pietro Mingotti und Pietro Moretti nicht nur die Bautätigkeit italienischer Bauherren in Dresden dar, sondern schlagen auch die Verbindung zur italienischen Musik und Oper als zentralem Transfergut und wichtigem Aspekt des höfischen Lebens. Der ebenso bedeutsame Aspekt des Erwerbs italienischer Kunst wird schließlich durch ausgewählte Beispiele aus dem Stichwerk zur Gemäldegalerie illustriert. Ich wünsche Ihnen interessante Einblicke in unsere Ausstellung und auf das heutige Dresden, aber auch Freude an den Kalenderblättern, die auf den Rückseiten wie gewohnt durch weiteres Bildmaterial und kenntnisreiche Texte ergänzt werden. Alf Furkert Sächsischer Landeskonservator Giuseppe Vasi, Panoramaansicht von Rom, mit ausführlicher Legende, 1765

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