Leseprobe

König August III., Kupferstich von Georg Friedrich Schmidt (Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung) Dresden, Bildergalerie, Ansichten nach dem Umbau 1746, Kupferstich von Michael Keyl nach Vorzeichnungen von Johann Christoph Knöffel (Privatsammlung) Allegorie auf die Einrichtung der Dresdner Bildergalerie, 1757, Kupferstich von Noël Lemire nach einer Zeichnung von Charles Eisen (Privatsammlung) Die Dresdner Bildergalerie gehörte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zweifellos zu den bedeutendsten Gemäldesammlungen im deutschsprachigen Raum. Die auf der Vorderseite abgebildete Heilige Nacht Correggios (1489–1534) war seinerzeit eines der berühmtesten Gemälde Europas und das unbestrittene Meisterwerk der Sammlung. Der sächsische Kurfürst und polnische König August III. (1696–1763), Sohn Augusts des Starken (1670–1733), trug während seiner Regierungszeit von 1733 an diese einzigartige und umfangreiche Kollektion zusammen. Dabei bildete die italienische Malerei der Renaissance und des Barock den Schwerpunkt. Mit dem Einzug der Gemälde in das zur Bildergalerie umgebaute ehemalige kurfürstliche Stallgebäude im Jahr 1746 schien die Zeit für das ehrgeizige Projekt der Publikation der Meisterwerke in einem prachtvollen Galeriewerk gekommen zu sein. Der »Recueil d’Estampes d’après les plus célèbres Tableaux de la Galerie Royale de Dresde« erschien in zwei Bänden 1753 und 1757. Für die Herausgabe war der Privatsekretär und Kunstintendant des Premierministers Heinrich Graf von Brühl (1700–1763) sowie Leiter des königlichen Kupferstichkabinetts Carl Heinrich von Heineken (1707–1791) verantwortlich. Galeriewerke entstanden im 17. und erlebten ihre Blütezeit im 18. Jahrhundert. Der Zweck bestand darin, eine Sammlung wie auch ihren Besitzer zu verherrlichen und den Bestand einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Sie funktionierten somit als Mittel höfischer Repräsentation sowie interhöfischer Kommunikation. Formal sind die beiden Bände identisch aufgebaut: Eröffnet werden sie mit den Porträtstichen König Augusts III. und der Königin Maria Josepha (1699–1757), danach folgen Titelblätter mit Vignetten und im ersten Band der Grundriss, im zweiten der Aufriss des Galeriegebäudes. Nach den Vorworten in französischer und italienischer Sprache schließt sich der Textteil mit Beschreibungen der reproduzierten Gemälde an. Hierauf folgt der Abbildungsteil mit jeweils fünfzig Kupferstichen. Am Beginn des ersten Bandes findet sich eine Reihe von vier Reproduktionsstichen nach Gemälden des damals wie heute in Dresden sehr geschätzten Malers Correggio. Hierauf folgen weitere Werke italienischer Meister, beispielweise von Giulio Romano und Andrea del Sarto. Ihnen schließen sich nach Schulen geordnete Werkgruppen an. Unter den Venezianern sind Tizian und Paolo Veronese vertreten. Die weiteren Abschnitte sind dann der Malerei des 17. Jahrhunderts aus Bologna, Neapel, Florenz und Rom gewidmet. Den Abschluss des Bandes bilden drei Stiche nach Gemälden von Peter Paul Rubens. Im Wesentlichen erfolgt die Anordnung der Stiche im zweiten Band analog zu der im ersten. Die Dominanz der italienischen Malerei wird aber etwas zurückgedrängt. Die Anordnung der Kupferstiche folgt, ähnlich wie bei vergleichbaren Publikationen, einem festgeschriebenen Modus, den man auch als Kanon der europäischen Malerei bezeichnen kann. Begonnen wird mit den großen Meistern der italienischen Historienmalerei, idealerweise mit Raffael. Obwohl mit der Sixtinischen Madonna ein Hauptwerk Raffaels in der Dresdner Galerie vorhanden war, wurde sie bei der Auswahl für den »Recueil« nicht berücksichtigt. Es sind die Tafelbilder Correggios, die den Auftakt bilden. Sie galten seinerzeit als die kostbarsten und berühmtesten Prunkstücke der Galerie und waren somit unstreitig für die hervorgehobene Positionierung im Galeriewerk favorisiert. August III. hatte aber auch eine Vorliebe für holländische Landschafts- und Genrebilder, die sich teils in der Galerie befanden, teils in seinem privaten Kabinett. Heineken betont im Vorwort des zweiten Bandes, dass er ein Bild von Nicolas Berchem deshalb als Abschluss gewählt habe. Allerdings solle der Betrachter des »Recueil« nicht den Eindruck gewinnen, dass man in Dresden »von diesem Geschmack sei«. Martin Schuster Pierre Louis Surugue (Paris 1716–1772 Paris) nach Charles François Hutin (Paris 1715–1776 Dresden) nach Antonio Allegri da Correggio, gen. Correggio (Correggio 1489–1534 Correggio) »Die Heilige Nacht«, 1757 Bezeichnet: C. Hutin del. / Gravé par Surugue Fils Graveur du Roy. Beschriftet: La Notte d’Antonio Allegri / detto il Corregio / Quadro della Galleria Reale di Dresda / Alto piedi 9. l. 1. pollice Largo pi. 6. poll. 8. / La Nuit d’Antoine Allegri / dit le Correge / Tableau de la Gallerie Royale de Dresde / Haut de 9 pieds 1. pouce. de Large 6. pieds 8 pouc: / N°. 1. Kupferstich, Radierung; 59,9 × 42,7 cm Aus: »Recueil d’Estampes d’après les plus célèbres Tableaux de la Galerie Royale de Dresde«, Band 2, Tafel 1 Privatsammlung

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