Leseprobe

Dresden, 5. Entwurf zum Neubau des Residenzschlosses, Schnitt durch die große Treppe und den darüber gelegenen großen Saal, 1748, Gaetano Chiaveri (Gesamtansicht) Dresden, 4. Entwurf zum Neubau des Residenzschlosses, Lageplan, 1739, Gaetano Chiaveri (Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv. M 8. I. Bl. 1) (1686–1752) sahen dabei Drei- und Vierflügelanlagen vor, die ganz in der strengen Formensprache eines französisch beeinflussten Barockklassizismus gehalten waren. Im Gegensatz dazu beabsichtigte Chiaveri die Errichtung eines stark gegliederten Baukörpers mit Fassaden im römischen Spätbarock, dem zur Elbe hin ein prachtvoller terrassierter Garten mit Treppen und Kaskaden vorgelagert werden sollte. Alternativ hatte er die Ausrichtung des Neubaus parallel zur Elbe und die Anlage eines prachtvollen, römisch anmutenden Vorplatzes an der Elbbrücke vorgeschlagen. Das Vorhaben wurde jedoch zugunsten des ebenfalls 1736 begonnen Umbaus von Schloss Hubertusburg und der Errichtung der Hofkirche ab 1738 zurückgestellt. 1748 wurden die Planungen ein letztes Mal wiederaufgenommen. Die wiederum von Knöffel und Chiaveri unter Rückgriff auf ihre früheren Projekte erarbeiteten Entwürfe zeigen ein nochmals gesteigertes Niveau hinsichtlich Dimension und gestalterischem Anspruch. Besonders gilt dies für den Entwurf des Italieners. Mit dem überreichen Säulen- und Statuenschmuck am Außenbau wie in den Innenräumen – ein Beispiel zeigt die Zeichnung auf der Vorderseite – benutzt er dieselbe Formensprache wie die gerade weitgehend fertiggestellte Hofkirche, hätte diese jedoch noch weit übertroffen. Gemeinsam hätten beide Bauten den Anspruch Augusts III. als Herrscher einer europäischen Großmacht eindrucksvoll illustriert. Eine Realisierung war angesichts des angespannten Kassenzustands jedoch von vornherein illusorisch. Letzte Vorstöße für einen Schlossneubau erfolgten nach dem Siebenjährigen Krieg, doch gingen die damaligen Planungen nicht mehr über grundsätzliche Überlegungen hinaus. Konstantin Hermann Nach dem Tod Augusts des Starken (1670–1733) trat dessen Sohn Friedrich August II. (1696–1763) nicht nur die Nachfolge als Kurfürst von Sachsen an; er ließ sich zudem wie sein Vater als August III. zum König von Polen wählen. Als solcher fand er jedoch erst 1736 auf dem »Pazifikationsreichstag« nach dem Ende des Polnischen Erbfolgekriegs allgemeine Anerkennung. Zur Legitimation seines Anspruchs als Herrscher über ein europäisches Großreich bediente sich August III. wie sein Vater des Mediums der Baukunst. Großangelegte Umbauten erfuhren in Warschau etwa das Sächsische Palais als Wohnsitz des Herrschers und das Königsschloss als Symbol des polnischen Königtums. Für dessen Erweiterung fertigte 1740 auch der italienische Architekt Gaetano Chiaveri (1689–1770) Entwürfe an. Dieser hatte sich seit dem Ende der 1720er Jahre in Warschau aufgehalten, war jedoch bereits 1736 nach Dresden übergesiedelt, um auch hier für den König planerisch tätig zu werden. In Dresden waren bereits unter August dem Starken seit 1703 zahlreiche Projekte zur Umgestaltung des Residenzschlosses entstanden. Diese hatten entweder den Abriss des 1701 bei einem Brand stark beschädigten Altbaus und die Errichtung eines vollständigen Neubaus oder aber seine durchgreifende Modernisierung und Erweiterung im Zusammenhang mit dem 1711 begonnenen Zwingerbau vorgesehen. Mit dem Entschluss zur Instandsetzung des Residenzschlosses anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen 1719 wurden alle diese Planungen jedoch obsolet. 1736 griff August III. die Gedanken seines Vaters wieder auf und ließ Projekte für den Neubau eines Residenzschlosses in unmittelbarem Anschluss an den Zwinger ausarbeiten. Die Entwürfe Jean de Bodts (1670–1745) und Johann Christoph Knöffels Gaetano Chiaveri (Rom 1689–1770 Foligno) Dresden, Projekt für den Neubau eines königlichen Residenzschlosses (5. Entwurf), Längsschnitte und Grundrisse des Treppenhauses im Elbtrakt, des mittleren Treppenhauses sowie des großen Saals; in der Mitte Grundrissvariante des seitlichen Treppenhauses des südlichen Hofes, 1748 Beschriftet: No: 11. / Alzato della Scala Segnato nella Pianta E. / Pianta et Alzato della Scala Segnato B Nella pianta Generale No: J / Scala nella Pianta segnata I / Scala grande che introduce nella gran Sala. Nella Pianta No: J. Feder, Pinsel und Tusche, laviert in Grau und Rot, auf Leinwand gezogen; 62,5 ×172,7 cm Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nr. M 8. I. Bl. 12 (Ausschnitt) Dresden, 2. Entwurf zum Neubau des Residenzschlosses, Perspektive der Elbansicht von Nordwesten, um 1738, Friedrich August Kannegießer nach Gaetano Chiaveri, Holzstich von P. Meurer, 1878 (Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Bibliothek)

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