Leseprobe

merksam, der ihn 1743 zum »Inspector über die antiken und modernen Statuen« ernennen ließ und mit der Anfertigung von Skulpturen für seine Bauten und Gärten beauftragte. Als erster königlicher Hofbildhauer schuf Mattielli zudem zahlreiche Bildwerke für den Garten der Gräfin Moszinska in Dresden sowie für Schloss Hubertusburg. Er verstarb 1748 und wurde auf dem Alten Katholischen Friedhof in Friedrichstadt beigesetzt. Zu den herausragenden Werken seiner Dresdner Zeit zählen die heute noch erhaltenen Skulpturen auf dem Dach der Dresdner Hofkirche und der Neptunbrunnen, von dem bereits der Chronist Johann Christian Hasche 1781 schrieb: »Ohne Zweifel ist er in Deutschland eine der schönsten, von dem berühmten Matielli in ansehnlicher Größe, und im vortrefflichen Stile gehauen.« Die umseitig abgebildete Aufnahme zeigt die Neptungruppe nach einer schöpferischen Restaurierung von 1874–1875 durch den Bildhauer Robert Eduard Henze (1827–1906), während der er Neptun anstelle des Kranzes mit einem Dreizack versah. Bei einer umfänglichen Restaurierung in den Jahren 2009 bis 2013 wurde die Gestaltung Mattiellis mit dem Lorbeerkranz wiederhergestellt. Sabine Webersinke Im Garten des Klinikums Dresden-Friedrichstadt versteckt, befindet sich der Neptunbrunnen, ein Meisterwerk der Bildhauerkunst des 18. Jahrhunderts. Er ist »die wohl großartigste Brunnenschöpfung Dresdens außerhalb des Zwingers, mit der Fontana di Trevi in Rom vergleichbar und reiht sich ein in die Gartenwasserkünste der Schlösser Versailles und Schönbrunn, des Belvedere in Wien oder der Eremitage Bayreuth«. Einst bildete der Neptunbrunnen das Herzstück des Friedrichstädter Gartens, einer Anlage von Heinrich Graf von Brühl (1700–1763). Vor den Toren der Stadt ließ sich Brühl von 1736 bis 1753 durch Johann Christoph Knöffel (1686–1752) einen prachtvollen Sommersitz mit Garten errichten. Letzterer war aufs Kostbarste ausgestattet mit dem Neptunbrunnen als Höhepunkt. Nach einem Entwurf von Zacharias Longuelune (1669–1748) schuf der Bildhauer Lorenzo Mattielli (1687–1748) in den Jahren 1743 bis 1746 eine imposante Komposition aus steigendem und fallendem Wasser, eine Symbiose aus dem natürlichen Element Wasser und dem steinernen Bildwerk. Auf einer Zeichnung ist das Wasserspiel um 1744 kurz vor der Vollendung dargestellt. Der 48 Meter breite Brunnen besteht aus drei Etagen. Drei Becken, in die sich elf Wasserstrahlen ergießen, sind so angeordnet, dass das überlaufende Wasser des oberen das untere befüllt. Zuoberst thront der Meeresgott Neptun auf einem von Seepferden gezogenen Muschelwagen. Er ist im Begriff, seine zur Rechten sitzende Gattin Amphitryte mit einem Kranz zu krönen. Begleitet wird das Paar von Putten und Nereiden. Ein Triton bläst in sein Muschelhorn, um die Ankunft Neptuns zu verkünden. Seitlich lagern auf zwei mit Reliefs geschmückten Postamenten die Flussgötter Nil und Tiber. Den Ausklang bilden auf beiden Seiten je zwei Kolossalvasen. Lorenzo Mattielli, der zu den bedeutendsten italienischen Künstlern der Barockzeit zählt, wurde in Vicenza geboren und erhielt seine Ausbildung bei Orazio Marinali (1643–1720). 1711 verließ er Italien in Richtung Wien und wurde dort zum Kaiserlichen Hofbildhauer ernannt. Wohl auf Vermittlung der Kaiserinwitwe Wilhelmine Amalia (1673–1742) kam Mattielli nach Dresden und erhielt 1739 den Auftrag, 78 überlebensgroße Skulpturen für die Katholische Hofkirche anzufertigen, eine der Hauptaufgaben seines Lebens, die er innerhalb von acht Jahren fertigstellen konnte. Ab 1740 betrieb Mattielli in der Neustadt eine Werkstatt, ab 1745 auf seinem Gut in Hosterwitz eine weitere. Graf Francesco Algarotti (1712–1764) machte Brühl auf Mattielli aufDresden, Brühlscher Garten in Friedrichstadt, Neptunbrunnen im südlichen Gartenbereich, um 1744, unbekannter Zeichner (Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nr. 1971/673) Dresden, Katholische Hofkirche, Heiligenfiguren auf der unteren Balustrade der Theaterplatzseite, Lorenzo Mattielli, Aufnahme um 1900 Dresden, Katholische Hofkirche, Statue der heiligen Katharina, Heiligenfiguren auf der unteren Balustrade der Schlossseite, Lorenzo Mattielli Lorenzo Mattielli (Vicenza 1687–1748 Dresden) Dresden, Brühlscher Garten in Friedrichstadt, Neptunbrunnen (Detail Mittelgruppe), Zustand nach der Restaurierung 1874/75, Ansicht von Norden, um 1900 Fotografie Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Bildsammlung

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