Leseprobe

Dresden, Zwinger, Entwurfsskizze für das Deckenfresko des Deutschen Pavillons, Bozzetto/Ölskizze von Giovanni Antonio Pellegrini (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbaud) Und hernach kam sogar der berühmte Pellegrini hin, der an diesem Ort so meisterhafte Sachen gemalt hat, dass sie noch heutigen Tages bei allen Kennern Bewunderung, und allein verdienen, Dresden zu sehen [...]«. Mit diesen Worten rühmte Carl Heinrich von Heineken (1707–1791), Kunstgelehrter, Direktor des königlichen Kupferstichkabinetts und Sekretär des Premierministers Heinrich Graf von Brühl (1700–1763), die Deckenmalereien Giovanni Antonio Pellegrinis (1675–1741) für den Dresdner Zwinger. Heinekens Worte bringen die Bewunderung für einen heute weitgehend unbekannten Künstler zum Ausdruck, der europaweit äußerst gefragt war und als wichtigster Wegbereiter der international erfolgreichen, venezianischen Rokokomalerei gelten kann. Giovanni Antonio Pellegrini wurde in seinem Stil durch italienische Meister wie Paolo Veronese oder Luca Giordano geprägt und war interessanterweise mit Angela Carriera verheiratet, Schwester der berühmten Pastellmalerin Rosalba Carriera (1675–1757). Pellegrini verbrachte den Großteil seines Lebens auf Reisen, mit Stationen in England, am Düsseldorfer Hof, in den Niederlanden oder Paris, und hielt sich nachweislich im Januar 1725 in Dresden auf. In dieser Zeit erhielt er den Auftrag, die beiden östlichen Eckpavillons des Zwingers mit Deckenfresken auszuschmücken, die jedoch beide durch Brände im Laufe des Dresdner Mai-Aufstandes 1849 zerstört worden sind und deren Form und Inhalt nur in wenigen Zeugnissen überliefert ist. Von Bedeutung für den Deutschen Pavillon sind vor allem eine Skizze in Öl, eine Zeichnung und eine Nachzeichnung: Während die Ölskizze die beabsichtigte Gesamtwirkung der Komposition in ihrer Schwerpunktsetzung verdeutlicht, hilft eine Nachzeichnung des 18. Jahrhunderts bei der Identifizierung des ikonographischen Programms. In ihrer detaillierten, künstlerisch jedoch unbewegt und steif wirkenden Manier lässt sie die traditionell vier allegorischen Erdteile (Europa, Asien, Afrika und Amerika) am Bildrand sowie im Himmelsfeld platzierte Personifikationen der Zeit, des Großmuts und des Ruhmes erkennen, sodass als Motiv die Auswirkung der guten Regentschaft Augusts des Starken (1670–1733) auf die Welt bestimmt werden kann. Dem Blatt in der Plansammlung kommt hingegen der größte künstlerische Wert zu, belegt es doch die bemerkenswerte zeichnerische Meisterschaft Pellegrinis und weist eine spannungsvolle gestalterische Vielfalt auf. In die exakt gezeichnete Wandarchitektur der Arkadenfelder, die von einem Vorzeichner stammen dürfte, hat Pellegrini in leichter Federführung und Schattierung illusionistisch intendierte Nischenfiguren mythologischer Natur gesetzt, unter denen Hermes, Flora, Apoll und Herkules zu finden sind. Pellegrini steigerte die zeichnerische Freiheit und Virtuosität dabei noch weiter für den darüber liegenden Abschnitt der Deckengestaltung, dessen Elemente mehr zu erahnen als zu erkennen sind. Dabei ermöglicht die genannte Nachzeichnung, die Figurengruppe auf der rechten Seite als Allegorie Asiens zu deuten: Wiederzuerkennen sind die wertvolle Stoffe präsentierenden Händler in türkischer Tracht, ebenso der geschwungene Hals eines Kamels am rechten Bildrand. Die Skizze vereint in sich mehrere Stufen der Zeichenkunst: Auf die grundlegende Architekturzeichnung folgen die in ihrer Gestaltung auf eine räumliche Wirkung abzielenden Nischenfiguren, deren Ikonographie gut zu bestimmen ist. Höhepunkt des Entwurfs und Zeugnis der künstlerischen Fähigkeit Pellegrinis ist schließlich die genialisch-freie Zeichenweise der Deckengestaltung, die in ihrer Motiventwicklung und Interpretation bewusst offen bleibt. Jan Eining Dresden, Zwinger, Deckenfresko im Deutschen Pavillon, 18. Jahrhundert, Deutscher Künstler nach Giovanni Antonio Pellegrini, Aufnahme von 1927, Blatt seitdem verschollen Giovanni Antonio Pellegrini (Venedig 1675–1741 Venedig) Dresden, Zwinger, Entwurfsskizze für die Wand- und Deckengestaltung im Deutschen Pavillon, 1724/25 Beschriftet: Mahlerey zum Wänden im Salon am Gebäude so zum Redoutenhaus im zwingergarten angelegt. (rückseitig) Grafit, Feder, Pinsel und Tusche, laviert in Grau und Braun; 43,8 × 93,3 cm Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nr. M 10. II. Bl. 1 (Ausschnitt) » Dresden, Zwinger, Entwurfsskizze für die Wand- und Deckengestaltung im Deutschen Pavillon, 1724/25, Giovanni Antonio Pellegrini (Gesamtansicht)

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