Leseprobe

Rom, Sant’Ignazio, Altar des heiligen Luigi von Gonzaga, Kupferstich von Georg Konrad Bodenehr nach einer Vorzeichnung von Andrea Pozzo, 1709 Rom, Sant’Ignazio, Altar des heiligen Luigi von Gonzaga, Relief von Piere Le Gros, 1700 Rom, Sant’Ignazio, Verkündigungsaltar mit dem Grab des heiligen Jan Berchmans, Relief von Filippo della Valle, 1750 nant ausgebildeter Architektur und Skulpturenschmuck. Hinzukommen die vielfarbigen wertvollen Marmorarten, ein Materialeinsatz, der im Sarkophag des Heiligen unterhalb der Altarmensa seinen Höhepunkt findet, besteht dieser doch aus Lapislazuli. Bei der Betrachtung des Reliefs fällt schließlich der augenscheinliche »Fehler« auf: Nicht die Himmelfahrt eines Heiligen ist dargestellt, sondern ganz im Gegenteil, die Verkündigung des Herrn an Maria durch den Erzengel Gabriel, welche das Motiv für das Relief des nahezu identischen, 1750 errichteten und dem Altar des heiligen Luigi von Gonzaga genau gegenüberliegenden Altars bildet. Die Unstimmigkeiten gehen bei den Details der Rahmung des Reliefs sowie den Skulpturen weiter. Beide Personifikationen, die des Glaubens mit einem Kreuz und jene der Jungfräulichkeit mit einem Lilienzweig, werden in ihrer Position gespiegelt zum Altar des heiligen Luigi von Gonzaga platziert. Der Grund für eine solche in der Kunstgeschichte häufiger auftretende Spiegelung ist das Heranziehen einer gedruckten Vorlage, in der Regel eines Kupferstiches, der qua Medium seitenverkehrt ist. Hierbei muss der von Mengs beauftragte Zeichner, aufgrund des Zeichenstils vermutlich ein Schüler seiner Werkstatt, die entsprechende Abbildung des Altars aus einer frühen Ausgabe des Traktates Andrea Pozzos benutzt haben, da der Stich in späteren Ausgaben mit dem realen Altar übereinstimmt. Mit dieser Vorlage wird der Zeichner dann vermutlich vor Ort fälschlicherweise das Relief der Verkündigung sowie die Kolorierung des Marmors ergänzt haben. Da allerdings die Farbigkeit und Platzierung der Marmorarten das Hauptinteresse bildete, dürfte dieser Fehler als vernachlässigbar angesehen worden sein. Ohnehin blieb er folgenlos, da eine Realisierung des Altars, der wahrscheinlich für die Kapelle des heiligen Benno gedacht war, durch den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 nie erfolgte. Jan Eining Die jesuitische Prägung der Katholischen Hofkirche in Dresden scheint in dieser Altarstudie einen Höhepunkt zu finden: Kein Geringerer als ein Altar aus der Kirche Sant’Ignazio in Rom, zusammen mit Il Gesù, einer der bedeutendsten barocken Kirchenbauten Roms und der Gesellschaft Jesu, stand Vorbild. So schreibt der Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze (1706–1775) Ende Juni 1754 an den in Rom weilenden Oberhofmaler Anton Raphael Mengs (1728–1779), der auch das Altarbild der Himmelfahrt Christi malen sollte, er möge »einen geschickten Zeichner in Rom ausfündig [...] machen«, um »einen illuminirten Riß von dem Altare des heil. Luigi Gonzaga in der heil. Ignatij Kirche zu Rom« anfertigen zu lassen. Die Präzisierung »illuminiert« deutet hierbei bereits auf den Zweck der angefragten Studie hin, da weniger die Ikonographie im Fokus stand, sondern »die Farben derer Marmor und deren Versetzung«, also der effektvolle Einsatz verschiedenfarbiger Marmorarten. Deren prächtige Erscheinung gefiel dem sächsischen Kurfürsten und polnischen König August III. (1696–1763) derart, dass er sie für eine Kapelle der Hofkirche nachzuahmen wünschte. Somit erklären sich auch die mit roter Tinte fein eingetragenen Buchstaben auf umseitiger Zeichnung, die jeweils eine Marmorart bezeichnen. Die Studie zeigt den Altaraufbau, wie ihn der jesuitische Architekt und Maler Andrea Pozzo (1642–1709) in den 1690er Jahren für den Seitenaltar des heiligen Luigi von Gonzaga entworfen hatte und den er auch in seinem einflussreichen Traktat »Der Mahler und Baumeister Perspectiv« – eine zweibändige Anleitung zur perspektivischen Konstruktion von Scheinarchitektur – wiedergab. Verschiedene Elemente zeichnen den Altarentwurf als typisch hochbarock aus: der konkav geschwungene Grundriss, die großen, doppelten salomonischen Säulen, das Wechselspiel von hervorspringenden und zurücktretenden Formen, von prägAnton Raphael Mengs (Umkreis) Rom, Sant’Ignazio, Studie des Verkündigungsaltars mit dem Grab des heiligen Jan Berchmans, um 1754 Feder, Pinsel, Aquarellfarben, auf Leinwand gezogen; 73,1× 51,2 cm Dresden, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung, Inv.-Nr. M 2. IIIa. Bl. 4.

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