Leseprobe

Dresden, Großer Garten, »Die Zeit raubt die Schönheit«, Einbausituation 1997 Aus weißem Carrara-Marmor schuf Pietro Balestra (1672– 1729), Schüler Gian Lorenzo Berninis (1598–1680), zwischen 1686 und 1689 die beeindruckende Skulptur »Die Zeit raubt die Schönheit«. Der sowohl gestalterisch als auch statisch imponierend pointierten Komposition und ihrer Ausführung in Stein ist noch heute mit Ehrfurcht zu begegnen. Festgehalten ist der Moment, in dem die »Zeit« in Gestalt des Chronos die sich vergeblich windende und zu entkommen suchende weibliche Figur der »Schönheit« ergreift und mit sich führt. Kraftvoll graben sich die starken Arme und Hände des Chronos in die Haut der »Schönheit« ein. Der erbarmungslose Raub wird von der am Boden sitzenden Figur des Amor mit erlöschender Fackel beweint. Kurfürst Friedrich August II. (1670–1733), genannt August der Starke, war gegen Ende seines Lebens ein großer Bewunderer erstklassiger Marmorbildwerke und ließ durch den Generalinspekteur der königlichen Sammlungen Raymond Leplat (1664– 1742) diverse marmorne Skulpturen ankaufen. So gelangte die im Auftrag Christinas von Schweden (1626–1689) geschaffene Skulptur nach einer Versteigerung in der Zeitspanne von 1723 bis 1726 aus Italien nach Dresden, wo sie vor dem Palais im Großen Garten aufgestellt wurde. Kam es infolge des Siebenjährigen Krieges sowie des Zweiten Weltkrieges »nur« zu Verlusten von Extremitäten, so hat sich das raue Klima nördlich der Alpen als eigentliche Herausforderung für das Kunstwerk erwiesen. Die nahezu 300-jährige Standzeit hat die einst ausdrucksstarke Figurengruppe beträchtlich an Schärfe, Detaillierung und Standfestigkeit verlieren lassen. Bemerkenswert ist besonders der rapide Verfall innerhalb der letzten einhundert Jahre. Fotoaufnahmen aus der Zeit um 1900 lassen fein ausgearbeitete Haarpartien und Gesichtsfalten erkennen; heute ist die Oberfläche durch Witterungseinflüsse, möglicherweise auch durch aggressive, aber nicht dokumentierte Reinigungen stark erodiert und erscheint fast wie verschleiert. In den 1970er Jahren war der Zustand der Skulptur so bedenklich, dass 1980 der Abbau entschieden wurde. Erst eine Acrylharzvolltränkung 1992 ermöglichte für weitere 20 Jahre die Wiederaufstellung am originalen Standort. Im Jahr 2013 brach jedoch einer der bereits vormals angesetzten Flügel des Chronos ab; neuerliche Untersuchungen zeigten, dass die Standsicherheit der Skulptur aufgrund von Rissen, Fehlstellen, Rückwitterungen und der Beeinträchtigung der Ponderation durch Teilabbrüche stark gefährdet war. In der Folge wurde die Figurengruppe durch Einrüstung und Einhausung gesichert. Seit 2018 wird an einer Kopie der Skulptur gearbeitet, die wie das Original in Carrara-Marmor ausgeführt wird. Ihre Vollendung ist für 2025 geplant. Sie wird dann den Platz des Originals einnehmen, welches in der Folge eine umfassende Konservierung erfahren und anschließend sicher im Depot eingelagert werden wird. Julia Maitschke Dresden, Großer Garten, »Die Zeit raubt die Schönheit«, derzeitige Sicherungsaufhängung, 2018 Dresden, Großer Garten, »Die Zeit raubt die Schönheit«, Kopierarbeiten seit 2018, durch den Bildhauer Andreas Klein, nach dem durch Dr. Stefan Dürre überarbeiteten Abguss, 2020 Pietro Balestra (Siena 1672–1729 Siena) »Die Zeit raubt die Schönheit«, 1686/89 Weißer Marmor, Höhe: 280 cm Dresden, Großer Garten Dummy, bitte liefern

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