Leseprobe

Dresden, Katholische Hofkirche, rekonstruierte Kuppelmalerei der Sakramentskapelle von Gerhard Keil, 1984 Die Sakramentskapelle der Katholischen Hofkirche ist die wichtigste der vier Eckkapellen, diente sie doch der Austeilung der Sakramente an die königliche Familie Augusts III. (1696–1763) und dieser nahestehende Personen. Zudem befindet sich die Stiftergruft direkt unter der Kapelle, somit im Bannkreis der Sakramente. Während das Altarbild mit der Darstellung der »Einsetzung der Eucharistie« 1752 vom ehemaligen Oberhofmaler Louis de Silvestre (1675–1760) in Paris gemalt und nach Dresden geliefert wurde (1945 verloren, 1984 von Gerhard Keil nachgeschaffen), bekam Stefano Torelli (1704–1784) den Auftrag für die Ausmalung des Deckengewölbes mit der »Anbetung der eucharistischen Gestalten Brot und Wein durch Engel«, die er 1752/55 in der damals üblichen Seccotechnik, also auf getrocknetem Putz, ausführte. Auch diese Malerei ging 1945 fast vollständig zugrunde und wurde 1984 nach den vorliegenden Farbaufnahmen rekonstruiert. Die sich aus dem gestreckt-hexagonalen Kapellengrundriss ergebende ovale Innenkuppel ist durch gemalte grüne Lorbeerbänder in sechs nahezu dreieckige Felder gegliedert und zeigt den Blick in einen illusionistischen Wolkenhimmel. Hier halten in den drei zentralen Feldern über dem Altar mit dem Tabernakel zwei Putten den goldenen Messkelch, aus dem die taghell strahlende Hostie hervorleuchtet. Diese erhellt den ganzen Bildraum, in dem Engel in verschiedenen Gruppen schwebend oder auf Wolken ruhend, gebannt auf das erscheinende Licht blicken und in Erstaunen und Anbetung begriffen sind (vgl. Correggios »Heilige Nacht«, Kalenderblatt Dezember). Das Foto zeigt die Malerei von Torelli recht vergilbt, so dass man sich den Farbklang im Original insgesamt kühler vorstellen muss. Der aus einer Bologneser Malerfamilie hervorgegangene Künstler hatte sich bereits 1739 im Jahre der Grundsteinlegung der Kirche nach Dresden begeben, nachdem er in Rom in Kontakt mit dem sich dort auf seiner Grand Tour aufhaltenden sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian (1722–1763) gekommen war, der dem Maler das Reisegeld nach Dresden bezahlte. Indessen war der Bau bei seiner Ankunft in Dresden noch im Anfangsstadium begriffen, sodass er erst andere Aufträge ausführte, wie das fortlaufende Abzeichnen der jeweils von Lorenzo Mattielli (1687– 1748) fertiggestellten, überlebensgroßen Heiligenfiguren aus Sandstein für die Kirche – Zeichnungen, die von Lorenzo Zucchi (1704–1779) in Kupferstiche umgesetzt wurden. Sowohl die Kurprinzessin Maria Antonia (1724–1780) als auch Heinrich Graf von Brühl (1700–1763) betrauten ihn ebenfalls mit wichtigen Aufträgen. Thomas Liebsch Dresden, Katholische Hofkirche, Evangelist Matthäus, Kupferstich/Radierung von Lorenzo Zucchi nach Vorzeichnung von Stefano Torelli nach der Statue von Lorenzo Mattielli, 1740 (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett) Stefano Torelli (Bologna 1704–1784 St. Petersburg) Dresden, Katholische Hofkirche, Sakramentskapelle, Anbetung des Kelches, 1753/55 Seccomalerei, 1945 zerstört Fotografie von Rolf-Werner Nehrdich, 1943/45

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