Leseprobe

14 des deutschen Großfilms von 1927 (S. 8–9, 184–189). Mit mehr als zwei mal drei Metern entsprechen die Maße der Lithografie – das einzige erhaltene Exemplar dieser Version – der Megalomanie von Fritz Langs Filmproduktion. Zugleich übersetzt Bilinskys verschachtelter Architekturberg die Atmosphäre der utopischen Stadt in eine bildgewaltig minimalistische Grafik. METROPOLIS war sozusagen unser Sprungbrett in den Pool der Filmplakate. Es entstand der kuratorische Ehrgeiz, den von früheren Sammlungsleiter:innen zusammengetragenen Schatz in das 21. Jahrhundert zu erweitern. Auf den Prüfstand kamen zwei weit verbreitete Meinungen: dass erstens das Filmplakat an sich im digitalen Zeitalter ein Relikt sei und dass es zweitens ohnehin nur noch mediokre Gestaltung in dem Bereich gäbe. Beide Annahmen ließen sich im Verlauf der Recherchen und Akquisen widerlegen. Sicherlich liegt es auf der Hand, dass die Digitalisierung und Diversifizierung des Konsums von Filmen auch die stete mediale Erweiterung entsprechender Werbung mit sich bringt, von riesigen LED-Wänden und bewegten Displays im Stadtraum bis zu Social-MediaClips und responsiven Kacheln auf Streaming-Plattformen in privaten Endgeräten. Doch obwohl es heutzutage seltener zu Papier kommt, bleibt das Plakat eine zentrale Bezugsgröße im Design einer Kampagne, das Standardformat für die Ausarbeitung eines Key Visuals und das klassische Werbemedium für Festival und Kino. Auch die Frage zur gestalterischen Qualität von Filmplakaten scheint auf den ersten Blick berechtigt: Die Filmindustrie gehört einer Massenkultur an, die – im Film wie in der Werbung – vermeintliche Breitengeschmäcker bedient und oft wenig Raum für individuelle Lösungen bietet. Dennoch ist Film nicht nur eine Ware, sondern zugleich eine Kunstform, in der emotionale, soziale, politische und ästhetische Diskurse in einem so reichen Spektrum verhandelt werden wie in keiner anderen visuellen Praxis. Diese Breite, mit allen erdenklichen Nischen, spiegelt sich im Filmplakat wider, insbesondere bei einer Betrachtung aus internationaler Perspektive. Generell lässt sich im Mainstream ebenso wie in kleineren oder eher avantgardistischen Produktionsbereichen spannendes Kommunikationsdesign finden, wenn sich die Definition »guter Grafik« nicht auf »Handgemachtes« beschränkt, sondern alle Formen analogen und digitalen Entwerfens zulässt und die Fotografie als Kunstform einbezieht. Der vorliegende Katalog ist das Ergebnis einer wunderbaren Gemeinschaftsarbeit auf vielen Ebenen. An erster Stelle sind hier unsere Kooperationspartner zu nennen: die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) und die Deutsche Kinemathek – beides Kulturforums-Nachbarn am Potsdamer Platz. Mit der Ausstellung Großes Kino, die 2024 parallel zu den 74. Filmfestspielen stattfindet, wird eine alte Verbindung wiederaufgenommen: Schon 1959 (anlässlich der IX. Internationalen Filmfestspiele) und 1975 (zu den 25. Festspielen) präsentierte die Kunstbibliothek Filmplakate. Die BerlinaleGeschäftsführerin Mariëtte Rissenbeek war eine unersetzliche Partnerin bei der Ausarbeitung eines »Gastkonzepts«, nach dem Expert:innen aus der Film- und Kinobranche eingeladen wurden, je ein Exponat auszuwählen. Kristina Jaspers und Peter Mänz von Rapidly, a curatorial zeal set in to expand our predecessors’ treasures for the twenty-first century. Two widely held beliefs were scrutinized: first, that film posters have become relics in the digital era and second, that their designs have become mediocre. Both assumptions were disproven during the process of research and acquisition. Naturally, digitalizing and diversifying film consumption is accompanied by an expansion in advertising media, which now include LED walls and animated displays in public spaces, social media clips, and responsive tiles on digital streaming platforms. Although posters are less frequently encountered in paper form, they remain a key part of ad campaign design, the standard format for disseminating a key visual, and the classic advertising medium for festivals and cinemas. The scepticism around the design standards of film posters also appears valid at first glance. The film industry serves a broad public and—in films as in advertising—caters to the lowest common denominator and often leaves little room for individual solutions. Nevertheless, film is not only a product but also an art, one which more broadly engages with the emotional, social, political, and aesthetic discourses than any other visual form. This spectrum, with all its many niches, is evident in film posters, particularly when viewed internationally. In general, noteworthy examples of communication design can be found both in mainstream, arthouse or avant-garde productions, especially when the definition of “good design” is not limited to “handmade” works, but includes all forms of digital and analogue design as well as photography. This catalogue is the result of a wonderful team effort on many levels. First and foremost, this includes our partners: the Berlin International Film Festival (Berlinale) and the Deutsche Kinemathek— both Kulturforum neighbours located at Potsdamer Platz. In 2024, The Big Screen exhibition will be on display in tandem with the 74th Berlinale. This revitalizes a connection, for the Kunstbibliothek has previously exhibited film posters in 1959 (on the occasion of the 9th film festival) and in 1975 (for the 25th film festival). Berlinale CEO Mariëtte Rissenbeek was an indispensable partner in the process when developing the concept of inviting film and cinema experts to each choose one poster. Kristina Jaspers and Peter Mänz from Kinemathek provided valuable guidance and expertise for all our film history research inquiries. We are very grateful to them for the texts they have authored for this catalogue and their curatorial contributions to the topic of re-release posters.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1