Leseprobe

9 783954 986903 SANDSTEIN Die tiefgreifenden Veränderungen in den europäischen Gesellschaften an der Wende zum 20. Jahrhundert erfassten auch das Kronland Bukowina, eine Grenzregion im strukturschwachen Osten der Habsburger Monarchie. Intensive Diskussionen über Modernität und Rückständigkeit gingen einher mit einer zunehmenden Nationalisierung, die die Bukowina, ähnlich wie andere multiethnische Räume im östlichen Europa, vor neue Herausforderungen stellte. In der ersten visuellen Geschichte dieses Grenzlandes untersucht Maren Röger, wie das Massenmedium der Bildpostkarten dem Narrativ einer (imperialen) Modernisierung diente und welche Rolle es in der Verbreitung ethnisch-sprachlichreligiöser Wertigkeitsdiskurse spielte. Sie leuchtet die Grenzen der vielbeschworenen bukowinischen Toleranz aus und nimmt die politischen und wirtschaftlichen Akteure hinter den Bildwelten in den Blick. Doch auch die Schreibenden aus Nah und Fern, die sich die visuellen Narrative aneigneten oder sich ihnen widersetzten, finden Gehör. »Karten in die Moderne« leistet einen Beitrag zur regionalen Geschichte politischer Kommunikation in der Peripherie des Habsburgerreiches, zeigt deren translokale und transimperiale Komponenten auf und schreibt eine Geschichte von Nationalismus, Gesellschaftswandel und (Bild-)Medien um 1900.

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