Leseprobe

q 108 Bukowinismus im Kleinformat? König, dass er »den nationalen Anforderungen [...] Rechnung getragen« habe und »alle Karten auch rumänischen Text« enthielten,25 doch kann dies nach Durchsicht mehrerer Postkartenüberlieferungen nicht bestätigt werden. Vielmehr scheint die lokale Zeitung schon einige Beschriftungen auf Rumänisch lobenswert gefunden zu haben.26 Auch hier fällt auf, dass das Ruthenische kein Thema war – weder verlagsseitig, wo nur in wenigen Fällen deutsche und ruthenische Beschriftungen zu finden waren, noch in der Beobachtung der lokalen Presse. Wenn die Verlage auch die Bildseiten zweisprachig gestalteten, handelte es sich überwiegend um topografische Ansichtskarten des Südteils der Region, wo viele Personen mit rumänischem Selbstverständnis lebten. Die auf Deutsch und Rumänisch beschriftete Stadtansicht von Kimpolung kann hier beispielhaft stehen (Abb. 6) – weitere Beispiele wurden bereits im Kapitel über Habsburger Normierungen benannt. Es lassen sich Anpassungen an die Zielgruppe finden: So fertigte Leon König Postkarten von rumänischen Bäuerinnen nur in rumänischer Sprache an (Abb. 7). Auch Katz und Herzberg agierten so. Katz wählte für seine Ansicht des Rumänischen Nationalhauses ebenso eine komplett rumänischsprachige Beschriftung (Abb. 8). Sogar seinen Verlag machte er zu »Editura lui A. Katz, Cernăuţi«. Sonst figurierte der Verlag stets unter Papierhandlung A. Katz. Ähnlich ging Herzberg in Radautz vor. Üblicherweise gab er die Ansichtskarten mit deutschem Text heraus, nur eine Aufnahme des rumänischen Jungeninternats – eine wichtige Errungenschaft des rumänischen Kultur- bzw. Schulvereins27 – bezeichnete er ausschließlich auf Rumänisch. Auf einer der frühen Karten von Herzberg ist das Rumänische noch fehlerhaft: »Cartá Postalá« schreibt er. Kein Einzelfall im Übrigen, da auch andere Verlage rumänische Schriftzeichen falsch setzten. Selbst simple Grüße, salutări auf Rumänisch, setzte das Warenhaus Schaffer, hier editorisch tätig, falsch, und fügte ein Sonderzeichen hinzu.28 Andere kannten jene rumänischen Buchstaben gar nicht. Offenbar fürchtete man die Schmähung der Kundschaft nicht. Zu den rumänischsprachigen Ausgaben motivierten die rumänischen Touristen in der Region, die spätestens mit der Entwicklung eines Kurtourismus kamen. Für diese Reisenden allein, die die zweite Gruppe nach den Kurgästen aus dem Habsburger Imperium bildeten, lohnten sich entsprechende Sprachausgaben.29 Ukrainischsprachige Ausgaben produzierten die Verlage kaum. Erklären lässt sich dies erstens damit, Abb. 6 Zweisprachig beschriftete Ansichtskarte – Gruss aus Kimpolung. Salutare din Campolung [sic!]. Hauptstrasse, O. Kreindler: o. O., 1907.

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