Leseprobe

q 28 Ein globales Bildmedium, regional geprägt ansässige Verlag ließ ein Album mit Ansichtskarten aus Czernowitz produzieren.23 Andere wie J. Orenstein Kolomea (wahrscheinlich auch J. O.K.) und der Verlag Artysty (übersetzt: Künstler) in Stanislau produzierten Motive, die für Galizien- wie Bukowina-Interessierte relevant waren: Gemälde- und Fotografieserien über Huzulen oder Zeichnungen von Rumäninnen. Selbst wenn diese nicht unbedingt nur auf die Bukowina gemünzt waren, stellten die Schreiber diese Verbindung her. So versah der Absender einer Bildpostkarte, die eine junge Rumänin in Tracht auswies, explizit mit der Bemerkung »Salutări din Bucovina« (»Grüße aus der Bukowina«).24 Als die Geschäftsleute vor Ort Mitte der 1890er Jahre sahen, dass Auswärtige mit Ansichten ihres Heimatortes Geld verdienten, schien der Entschluss schnell gefallen, hier ebenfalls profitieren zu wollen. Der früheste Einstieg ins Business ist von Octavian Müller dokumentiert, von dem 1897 eine Ansichtskarte gelaufen war (Abb. 3). Müller hatte, wie viele andere auch, die nach ihm vor Ort ins Geschäft einstiegen, eine Papierwarenhandlung, die auf einer seiner zwei überlieferten Karten auch abgebildet ist.25 Während der Verlag Müller bald von der Bildfläche verschwand,26 traten 1898 weitere Geschäftsleute auf den Plan. Über fünfzig Verlage aus der Bukowina sind in den Sammlungen dokumentiert, wobei das Wort Verlag in manchen Fällen deutlich größer klingt als die sporadische editorische Tätigkeit hergibt.27 Auf Czernowitz entfielen in der Sammlung Kasparides 25 Verlage auf eine Stadt mit knapp 80 000 Einwohnern,28 in den Überlieferungen des Ethnografischen Museums und der Privatsammlungen von Salahor, Osačuk und Jankovskyj sind noch zahlreiche weitere zu finden. Von manchen ist nur eine Postkarte dokumentiert, andere waren durchaus prägend für die Bildwelten, die sowohl von Personen vor Ort gesammelt als auch von Reisenden versendet wurden. Zu kaufen gab es die (Selbst-)Bilder der habsburgischen Provinz in der Bukowina selbst, in Galizien und selbst in Wien. Bevor ich detaillierter auf die regionalen Produzenten der Selbstbilder eingehe, soll sich der Blick zuerst auf die rechtlichen Grundlagen des Postkartenmachens richten. Rechtliche Grundlagen Verkaufen konnten Postkarten alle, die wollten. Eine Ministerialverordnung vom 3. August 1890 bestimmte, dass einige Erzeugnisse der Druckerpresse – darunter eben illustrierte Postkarten – im Verkauf konzessionsfrei sein sollten.29 Jeder Buchhändler, jeder Trafikant, jeder Lebensmittelhändler konnte Ansichtskarten verkaufen, ohne dass dafür Befähigungsnachweise nötig waren. Voraussetzungsreicher war die Herstellung von Ansichtskarten, sowohl auf technischer Ebene als auch, was die Genehmigungen anging. Bereits seit 1859 gehörAbb. 3 Frühe Ansichtskarte eines regionalen Verlags – Beste Grüsse aus Czernowitz. vorm. Octavian Müller: Czernowitz, o. J. [wahrscheinlich 1897 oder früher].

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