Leseprobe

q 26 Ein globales Bildmedium, regional geprägt war sowohl die Verlags- als auch Motivvielfalt am größten und die Correspondenzkarten stellten das Kommunikationsmittel schlechthin dar.14 Jene Zäsuren spiegeln sich in den ausgewerteten Sammlungen wider. Auf das Jahr 1896 datieren die ersten Ansichtskarten des Kronlandes, die durchweg auf deutsche oder oberösterreichische Verlage zurückgehen. Neben Regel & Krug waren der Jurische Kunstverlag Salzburg und die Kunstanstalt Karl Schwidernoch präsent. Laut Czernowitzer Presse habe Schwidernoch bereits 1899 über 500 Ansichtskarten über die Bukowina und Galizien produziert, deren »geschmackvolle Ausführung«15 in den höchsten Tönen gelobt wurde. Schwidernoch wurde darüber hinaus als die Firma benannt, die die Bukowina überhaupt an das Postkartenfieber herangeführt habe.16 Deutsche und cisleithanische Verlage haben in den Boomjahren der kleinen Karten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs immer wieder Ansichten der Bukowina verlegt. Aus dem Kaiserreich waren es Regel & Krug aus Leipzig (Abb. 1) und Schaar & Dathe aus Trier, die seit 1895 existierten und nicht zuletzt im Exportgewerbe stark waren. Aus der österreichischen Reichshälfte der Kunstverlag E. Schreier, Wien II, der Kunstverlag Jurischek aus Salzburg und die bereits erwähnte Kunstanstalt Karl Schwidernoch, die früh Postkarten produzierten.17 Der Wiener Verlag fertigte floral umrankte Stadtansichten von Czernowitz, Waschkoutz am Czeremosch/Waszkiwci nad Czeremoszem/Vaşcăuţ lângă Ceremus, Kimpolung/ Kimpolung/Câmpulung und Dorna Watra/Dornawatra/ Vatra Dornei an. Schwidernoch zählte zeitgenössisch zu den führenden lithografischen Anstalten und »schenkte« vielen Orten diese hochwertigen Drucke (Abb. 2). Auch der bedeutende Verlag der Gebrüder Kohn in Wien, der auf dem Gebiet der Kunstkarten (Wiener Werkstätten) dominierte, aber auch zahlreiche topografische Karten verlegte, war in der Sammlung Kasparides vertreten.18 Anlässlich des Huldigungsfestzugs zum Kaiserjubiläum 1908 produzierte der bekannte Verlag fotografische und gemalte Postkarten der einzelnen Kronländer, darunter eben auch der Nationalitätengruppen aus der Bukowina. Darüber hinaus produzierte der Verlag gemalte Postkarten der Ethnien. Das östlichste Kronland, touristisch peripher und sozioökonomisch eher schwach, war aber alles andere als ein Produktionsschwerpunkt der Wiener. Stärker als Wiener Verlage waren Prager Verlagshäuser vertreten. So druckte der Verlag Ing. Fr. Marik Czernowitzer Ansichten. Mit besonders aufwendig gestalteten Postkarten traten Lederer und Popper aus Prag-Smichov hervor.19 Die Firma von Josef Lederer und Rudolf Popper, die üblicherweise mit L. & P. signierten, hatte sich mit handkolorierten Ansichtskarten ein sehr großes Renommee erworben. Eine Website, die den topografischen Ansichtskarten Prags gewidmet ist, beurteilt die Karten gar als diejenigen mit der höchsten Qualität.20 L. & P. produzierte außer den Ansichtskarten der Heimatstadt noch Ansichten weiterer Städte der Habsburger Monarchie und des Deutschen Kaiserreichs.21 Sie brachten es dabei zur Meisterschaft auf dem Gebiet der Montagen: Dies betraf sowohl die Personen-Staffagen, die in die topografischen Motive hineinmontiert wurden, die auffällig, manchmal geradezu expressiv wirkten. In üppigen Kleidern spazierten dieselben, manchmal ebenfalls üppigen Damen, durch Prag/Praha, Lemberg und Czernowitz; dieselben Paare schauten sich in den Parkanlagen der cisleithanischen Städte verliebt in die Augen und manche Radfahrer*innen legten offenbar Tausende von Kilometern zurück. Überhaupt: die Radfahrer*innen. Sie zierten häufig ein Genre an Postkarten, in dem es L. & P. zu ihrer zweiten Meisterschaft gebracht hatten: Ansichtskarten, die Zukunftsvisionen von Städten bereithielten – ein Aspekt, den ich im Absatz zur Moderne verhandeln werde. Lederer und Popper druckten zudem Kriegspostkarten, die die »siegreichen Kämpfe in der Bukowina« zeigen sollten.22 Aus der Habsburger Monarchie ist noch das Haus W. L. Bp. zu nennen, vermutlich ein Akronym für eine Budapester Firma, die Motive aus der ganzen Doppelmonarchie führte. Ihre Czernowitzer Motive beschriftete sie auf Deutsch und Polnisch, womit sie auch auf den galizischen, überwiegend polnischsprachigen Markt zielte. Zudem verlegten Verlage in Galizien Postkarten mit bukowinischen Motiven – aufgrund der räumlichen Nähe und der Zugehörigkeit der Bukowina zum benachbarten Kronland bis 1848 nicht erstaunlich. Vertreten war E. Schreier aus Stanislau/Stanislawów – vermutlich ein Ableger des Wiener Kunstverlags E. Schreier, der ebenfalls Ansichten der Bukowina druckte. L. Grunda in Lemberg produzierte Czernowitzer Stadtansichten. Im galizischen Kolomea/Kołomyja befand sich das Atelier von Dutkiewicz, dessen zahlreiche Aufnahmen von Land und Leuten der Bukowina, in die Bestände des Volkskundlers Raimund Kaindl gelangten, der für die Beschreibung der Ethnien und für die Herausbildung einer Gruppenidentität der nicht-jüdischen Deutschen in der Bukowina eine besondere Rolle spielte. Der in Kolomea

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