Leseprobe

195 Abb. 2 Fasnachts-Brunnen in Basel. 1977 von Jean Tinguely gestaltet die mit dem Katalog ein in der Auflage begrenztes Extraheft mit einer Bauanleitung erwarben, nachgebaut werden können sollte.21 »Wenn Sie die Maschine planmäßig erstellt haben, schicken Sie bitte eine Photographie derselben mit dem Etikett, das dieser Anleitung beiliegt, an das Museum Haus Lange. Wir besorgen Ihnen dann eine Signatur von Jean Tinguely, die das Bild als Originalwerk kennzeichnet.«22 Die ganze Unkonventionalität Tinguelys und sein Bestreben nach einer Kunst, die sich – ganz im Trend der Zeit – gegen Musealisierung und Fixierbarkeit sperrte, zeigt sich im weiteren Schaffen noch deutlicher. 1960 markiert einen generellen Um- oder Aufbruch in seinem Werk. Kinetische Reliefs und Méta-­ Matics werden abgelöst von meist laut lärmenden und teilweise recht großen Maschinen, die aus Schrott und Alteisen grob zusammengeschweißt wurden. Mit »Homage to New York« schuf Tinguely dann das erste autodestruktive Kunstwerk überhaupt.23 Die Maschine bestand zudem aus diversen Teilen, die Tinguely auf Schrottplätzen und in Trödelläden hatte sammeln können. Er wollte etwas Ephemeres schaffen, das sich nicht musealisieren ließ.24 In einer ganztägigen Aktion im März 1960 zerstörte sich die Installation selbst – das sollte das Publikum erleben und begleiten.25 Tinguely inszenierte in den folgenden Jahren noch weitere Zerstörungsaktionen, die als »Loslösung des Kunstwerks von der Materie und als Kritik an der konservierenden Funktion der Institution Museum«26 interpretiert werden können. Das stand ganz im Zeichen der Nouveaux Réalistes, deren erstes Manifest 1960 formuliert wurde. Ab diesem Jahr verfolgte Tinguely nun auch Projekte, die Skulptur und Architektur verschmelzen und Vergnügungsangebote aufweisen. Dabei fand ein kuratorisches Moment Eingang in sein Schaffen: »Dylaby«, das 1962 im Stedelijk Amsterdam eingerichtete dynamische Labyrinth, ist ein erstes Beispiel für die neuartigen, interaktiven Installationen mit

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