Leseprobe

Im Hinblick auf die Kunst von Joseph Mallord William Turner kommt keine wissenschaftliche Arbeit ohne den Verweis auf das Erhabene aus – ein Ausdruck, der aus dem heutigen Sprachgebrauch beinahe voll- ständig verschwunden ist. In der Regel wird er nur noch in der Wissenschaft genutzt, wenn die Wirkung von bildender Kunst oder Dichtung beschrieben wird. Der Begriff des Erhabenen oder Sublimen spielte bereits in der Antike eine bedeutende Rolle. Die erste uns bekannte Schrift, die dieses Thema ins Zentrum der Betrachtung stellt, ist die wohl im 1. Jahrhundert verfasste Abhandlung »Peri hypsous« (»Über das Erhabene«), 1 und auch danach beschäftigten sich noch zahlreiche Theoretiker und Philosophen mit dem ästhetischen Konzept. In der Philosophie der Neuzeit wurde das Erhabene erstmals wieder durch den irisch-britischen Schriftsteller und Politiker Edmund Burke zu einer Zeit in die Diskussion gebracht, in der Turner seine künstlerische Ausbildung erhielt und an der Royal Academy of Arts zu studieren begann. Die »Philosophische Untersuchung über den Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen« von 1757 2 prägte die britische Landschaftsmalerei maßgeblich. Im Zentrum von Burkes Arbeit standen die unterschiedlichen Wirkungen von Gegenständen, die entweder schön oder erhaben sein konnten. Horror with Delight Der genussvolle Schrecken im Werk Turners MARIE MEETH

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