Leseprobe

334  Christian Speer auf Mitteldeutschland, Schlesien, Böhmen und Mähren begrenzt, denn in den Städten, die hier im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaus entstanden bzw. aus älteren Siedlungen erwuchsen, lässt sich bisweilen wie in einer Laborsituation beobachten, wie Dörfer zu Städ- ten heranwuchsen, Stadtrecht erhielten, Organe der Selbstverwaltung aufbauten und began- nen, Stadtbücher zu führen.2 Als Vergleichsbeispiele werden norddeutsche Städte betrachtet. Als Prämisse sei vorangestellt, dass schriftgestützte städtische Selbstverwaltung nicht in erster Linie eine Frage des Könnens (Schreib-/Lesefähigkeit), sondern eine des Dürfens (Pri- vilegien), Müssens (Anordnung des Stadtherrn, sozialer Zwang) oder Wollens war. Die städ- tischen Eliten des Untersuchungsgebiets waren zumeist Händler, deren wirtschaftliche Tätigkeit ein Mindestmaß an Schriftlichkeit verlangte, wenigstens in ihrer Muttersprache, manchmal auch in Latein.3 Von daher ist die These im Grunde richtig, dass Stadtbuchfüh- rung in einem Zusammenhang mit der kaufmännischen Buchführung stehe. Allerdings würde ich hier den Zusammenhang auf das zugrunde liegende »Know-how« beschränken Abb.2 Stadtbücher sind in der Regel Reinschriften. Nur selten haben sich die Konzepte auf Wachstafeln, Zetteln oder in Heften erhalten. Nach dem Abschreiben wurden die Konzepte »recycelt« und zum Beispiel wie hier als Lesezeichen verwendet. Liber actorum 1389–1413, Papier, ca.31,5×22,5 cm, mit eingelegtem Zettel zwi- schen f.61 und f.62. Görlitz, Ratsarchiv, ohne Signatur.

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