Katalog

Katalog 307 VI.6 Mutterschaft und Jungfräulichkeit nebeneinander Anna Selbdritt Thüringischer Meister, um 1520 Tafelbild  ■  Holz. 87,5 ×50 ×19,5 cm. Fassung abgelaugt  ■  AngerM Erfurt, Inv. Nr. 633. »Heilige Anna, hilf!«, dieser Hilferuf Luthers be- zeugt die tiefe Verwurzelung des Annenkultes in der mittelalterlichen Gesellschaft. Eine erhebliche Anzahl von Altarweihen, Bildstiftungen und Andachtsbüchern zu Ehren der hl. Anna sind seit dem 15. Jahrhundert belegt. Zentralfigur der Ver- ehrung war Anna Selbdritt, die Darstellung Annas zusammen mit Maria und Jesus. Sie konzentriert die umfänglichen Überlegungen zur Genealogie Jesu auf die wesentlichen Personen: Anna, deren Tochter Maria und den Gottessohn. Die mittelal- terlichen Darstellungen zeigen Anna zumeist mit ihren als Erwachsene, aber in kindlicher Größe gegebenen Nachkommen auf beiden Knien. KH Katalog 1924, Nr. 78. Doering, Bildhauerkunst, Taf. 68 a. VI.7 Erinnerung an den Auftraggeber bei jedem Abendmahl Kelch Wohl Erfurt, um 1500 Silber, vergoldet, getrieben, gegossen, punziert, graviert. H 18 cm, Dm des Fußes 12,5 cm, der Kuppa 10,3 cm. Mit Inschrift  ■  Ev. Predigergemeinde Erfurt, Inv. Nr. 35. Der Kelch ist eine Stiftung eines Erfurter Patriziers, dessen Wappen mit zwei Schrägbalken in einem Schild auf den Sechspassfuß gelötet ist. Ein ana­ loges Wappen schmückt einen Schlussstein im südlichen Seitenschiff der Predigerkirche, dessen Einwölbung zwischen 1424 und 1438 erfolgte. Gestützt durch zwei Urkunden aus dem Erfurter Stadtarchiv, deren Siegel das gleiche Wappen auf- weisen, gilt als wahrscheinlich, dass Klaus Hilde- brandt der Stifter des Gewölbes war und seine Familie auch den Abendmahlskelch in Auftrag gab. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Familie Hildebrandt sogar eine Art Familienkapelle an der Stelle im südlichen Seitenschiff der Predigerkirche hatte, für deren darin befindlichen Altar der Kelch bestimmt gewesen sein könnte. Im Feld neben dem aufgesetzten Stifterwappen ist ein Kruzifix im Dreinageltypus eingeritzt. Um den Kopf ist ein Strahlenkranz, darüber die Tafel mit der Inschrift INRI für Jesus aus Nazareth, König der Juden ( Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum ). Die Gestaltung des Lendentuches ist aufwendig und entwickelt mit den gebauschten, flatternden Enden eine Eigendynamik. Fein ziseliertes Blüten- und Blatt- werk schmückt in spätgotischer Manier den Schaft und Nodus. Die mit Buchstaben versehenen Rotuln des Nodus waren vermutlich ursprünglich emailliert. GNR Overmann, Kunstdenkmäler, Nr. 384. Schätze, S. 73. Schalldach, Willrode. √  VI.6 VI.7

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1