Previous Page  9 / 44 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 9 / 44 Next Page
Page Background

15

1590 schuf Abraham Ortelius (1527–1598) eine erstaunliche Karte (Abb. 2, Kat.177). Die Erdkugel ist als

Oval mit Äquator, Wendekreisen, Längen- und Breitengraden dargestellt, doch wo Ozeane und Kontinente

sein sollten, herrscht weitgehende Leere. Nur in der Mitte gewährt ein Ausschnitt den Blick auf Vertrautes:

Europa, Teile von Asien und Afrika. Eine lateinische Inschrift erklärt den Sinn dieser fragmentarischen

Weltkarte, zu Deutsch: »Siehe, Betrachter, die Karte des ganzen Erdballs, wie er den Alten bis zum Jahr

des Heils 1492 bekannt war.« Das ausgearbeitete Kartenbild zeigt die so genannte Ökumene, die bewohnte

Welt des Altertums, die durch Reisen und Handelsbeziehungen, durch Kriege und Eroberungen erschlos-

sen worden war.

Was bis zur Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492 eine unumstößliche Wahrheit

war, eine Drei-Kontinente-Welt, ist bei Ortelius zur eindringlichen Bildformel eines überwundenen Welt­

bildes geworden. Bei den begradigten Rändern handelt es sich freilich um eine Zuspitzung, die die Grenze

Michael Bischoff

Mit Globus und Zirkel

Entdecker, Schöpfer,

Welt vermesser

Abb.1

Amerika

, Ausschnitt

aus: Martin Waldseemüller,

Weltkarte

, Holzschnitt, 1507

(Washington, Library of

Congress)

Abb. 2

Abraham Ortelius,

Karte der antiken Welt

,

kolorierter Kupferstich,

Antwerpen, 1590 (1592)

(Lemgo, Weserrenaissance-

Museum Schloss Brake) –

Kat.177

Abb. 3

˛

Martin Waldseemüller,

Weltkarte

, Holzschnitt, 1507

(Washington, Library of

Congress)